
Der größte Fehler in der Examensvorbereitung fühlt sich vernünftig an.
🕒 Lesezeit: 3 Minuten
Manuel hat im schriftlichen Teil 7,4 Punkte geschrieben. Also nicht insgesamt. Schriftlich.
Damit liegst du weit über dem Durchschnitt und hast gute Chancen auf ein VB.
Eigentlich ein Grund zur Freude.
Und trotzdem sagt Manuel heute: „Ich würde vieles anders machen.“
Seine wichtigste Erkenntnis? „Ich habe zu spät angefangen, Fälle zu bearbeiten.”
Das fand ich spannend, denn die meisten würden wahrscheinlich etwas anderes erwarten.
Zu wenig gelernt. Zu große Lücken. Zu wenig Karteikarten. Falsches Rep.
Irgendwie sowas.
Aber nein: zu spät mit Fällen angefangen.
Dahinter steckt ein Denkfehler, den praktisch jeder hat. Erst genug lernen, dann Fälle.
In der Praxis läuft es oft genau andersherum.
Du verstehst die Materie erst durch die Fälle. Nicht vorher.
Denn zu wissen, was grobe Fahrlässigkeit ist, heißt noch lange nicht, sie in einer Klausur zu erkennen.
Zwischen „Ich habe das mal gelesen“ und „Ich erkenne das Problem im Sachverhalt“ liegen Welten.
Und diese Lücke schließt keine Theorie.
Diese Lücke schließt nur Praxis.
Fast jeder, der zu mir kommt, sagt dasselbe: „Ich habe noch zu viele Lücken.“
Ja. Natürlich.
Aber genau deswegen solltest du jetzt mit Fällen anfangen. Nicht später.
Denn woher willst du überhaupt wissen, was du brauchst?
Das Problem ist doch: Wenn du nur Theorie lernst, entscheidest du selbst, was wichtig ist.
Und das kannst du gar nicht. Das können nur Examensklausuren.
Original-Examensklausuren sind das einzige Priorisierungssystem, das wirklich zählt.
Nicht das Inhaltsverzeichnis eines Skripts.
Nicht das Gefühl, etwas noch nicht zu können.
Und auch nicht die Panik, irgendwas wieder zu vergessen.
Manuel hatte ungefähr vier Monate Fallarbeit hinter sich. Am Ende waren das vielleicht 70 Klausuren.
Und seine Erkenntnis lautet: Das war wahrscheinlich immer noch zu wenig.
Crazy eigentlich.
Jemand schreibt 7,4 Punkte schriftlich und sagt hinterher: „Hätte ich bloß früher mit den Fällen angefangen.“
Das ist schon bemerkenswert.
Denn die meisten glauben immer noch, Fallarbeit sei der letzte Schritt.
So nach dem Motto: erst lernen. Dann wiederholen. Dann irgendwann Fälle.
Manuel hat im Grunde das Gegenteil erlebt. Er hat durch die Fälle Rechtsgebiete erstmals richtig verstanden.
Nicht auswendig gelernt.
Verstanden.
Großer Unterschied.
Und da wird es interessant.
Denn Manuel schreibt auch, dass er einige Rechtsgebiete nie wirklich gelernt hat.
Arbeitsrecht, Baurecht, Polizeirecht, Erbrecht. Und trotzdem 7,4 Punkte schriftlich.
Was zeigt das? Nicht, dass diese Gebiete unwichtig wären, sondern dass Vollständigkeit überschätzt wird. Und zwar massiv.
Eigentlich wollte Manuel jetzt die fehlenden Gebiete gezielt mit Fällen nachholen.
Verständlicher Gedanke, aber wahrscheinlich sogar unnötig.
Denn auch das ist noch eine kleine Vollständigkeitsfalle.
Du gehst wieder davon aus, vorher entscheiden zu können, was wichtig ist.
Besser wäre: wieder einen großen Haufen Examensklausuren nehmen und schauen, was tatsächlich immer wieder auftaucht.
Die Klausuren bestimmen die Theorie. Nicht die Theorie die Klausuren.
Vier Monate Fallarbeit haben Manuel auf 7,4 Punkte gebracht.
Seine Schlussfolgerung lautet: Ich hätte früher anfangen sollen.
Nicht: Ich hätte mehr Theorie gebraucht.
Nicht: Ich hätte noch ein Skript durcharbeiten müssen.
Nicht: Ich hätte noch mehr Karteikarten schreiben sollen.
Zu spät angefangen.
Das war seine Diagnose.
Fast nie sagt jemand nach dem Examen: „Hätte ich bloß noch ein Lehrbuch mehr gelesen.“
Aber so gut wie alle sagen: „Ich hätte viel früher Fälle machen müssen.“
Und irgendwann sollte man anfangen, solchen Aussagen zu glauben.
PS: Wenn dich seit Monaten das Gefühl begleitet, erst noch mehr lernen zu müssen, bevor du mit Fällen anfangen kannst – wahrscheinlich ist genau das dein Problem. Wenn du wissen möchtest, wie wir die Examensvorbereitung konsequent um die Fallarbeit herum aufbauen (so wie mit Manuel), findest du hier weitere Informationen: https://endlich-jura.de/flatrate
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