
Probleme sind nichts anderes als Abweichungen vom Normalfall.
Warum dich das jucken sollte: Du weißt, wo du denken musst und wo nicht. Statt das Gefühl zu haben, der Sachverhalt erschlägt dich, hast du ein festes Referenzbild im Kopf und merkst sofort: Hier ist noch Routine, hier beginnt Arbeit.
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Ich höre das so oder so ähnlich ständig: „Ich sehe die Probleme im Fall nicht.“ Und jedes Mal denke ich mir: Bullshit. Dir fehlt nicht das magische Problem-Gefühl-Gen. Du hast nur keinen Filter. Und ohne Filter sieht jede Klausur gleich schlimm aus.
In der Hoffnung, dass dir das heute deinen (Lern-) Tag rettet: Du baust dir Problembewusstsein nicht über Talent. Du baust es über Vergleich.
Wenn du „nicht sehen“ sagst, meinst du eher: Du siehst zu viele Sachen gleichzeitig. Alles wirkt wichtig. Alles wirkt möglich. Alles wirkt gefährlich. Das ist keine Schwäche. Das ist fehlender Maßstab.
Du brauchst einen Gegenstand, an den du den Klausurfall halten kannst. Nicht irgendeine Schwerpunktliste. Kein Orakel. Einen langweiligen Referenzfall.
Der Maßstab heißt: Normalfall. Und ja: Langweilig is the point.
Ein Normalfall ist ein winziger, ultraklarer Sachverhalt, bei dem du beim Subsumieren nicht mal blinzelst:
„E und K einigen sich über Kaufpreis und Modalitäten.“
„T belügt A gezielt.“
„Der Bescheid hat Rechtsbehelfsbelehrung und Lageplan.“
Du liest das, nickst, subsumierst, fertig. Keine Bauchschmerzen. Kein Streit. Kein Aufsatz.
Und genau deshalb ist der Normalfall so brutal nützlich: Er zeigt dir, wann es NICHT mehr normal ist.
Leg gedanklich über jeden Sachverhalt eine Normalfall-Schablone. Dann fragst du dich nur noch: Wo weicht der Klausurfall davon ab?
Jede Abweichung ist ein Problemkandidat. Nicht automatisch ein Schwerpunkt. Aber ein Ort, an dem du nicht mehr im Feststellungsstil durchrutschst.
Das ist der Trick: Du suchst nicht „Probleme“. Du suchst Abweichungen.
Und Abweichungen sieht man. Man fühlt sie nicht.
Nimm Teil 1 einer echten Examensklausur. Kurz, aber echt. Kein AG-Spielzeug. Dann geh Satz für Satz durch – mit deiner normalen Zuordnung: Was assoziiere ich damit rechtlich? Welche Norm fällt mir dazu ein?
Und jetzt kommt das Entscheidende: Bei jedem Satz stellst du dir die Grün-Ampel-Frage: Ist das so langweilig, dass ich ohne Nachdenken subsumieren könnte?
Wenn ja: super. Feststellung oder dünner Gutachtenstil.
Wenn nein: Schreib daneben einen Normalfall in einem Halbsatz. Wirklich nur ein Halbsatz.
Dann vergleichst du. Und du vergleichst hart.
Wenn du da nicht allein vor dich hin stochern willst: Am 26. Februar mache ich dazu einen 90-Minuten-Workshop. Kein Frontalunterricht – wir üben das live an echten Fällen. Teilnahme nur für Mitglieder der Upside-down-Lernplattform.
Abweichung heißt nicht „kompliziert“. Abweichung heißt: anders als der Normalfall. Typische Abweichungen sind:
ungewöhnliche Rollen (wer trägt welches Risiko?)
zusätzliche Zwischenschritte (mehrgliedrige Kausalität, Ketten)
Mischformen (Dual-Use, hybride Beziehungen)
atypische Zeitpunkte, Wissen, Motive
„Warum steht das da?“-Sätze (Sachverhaltsangaben, die ohne Zweck sinnlos wären)
Wo der Klausurfall vom Normalfall wegdriftet, aber die Norm noch in Reichweite bleibt, spielt die Musik. Subsumtion geht noch, aber nur mit Begründung.
Genau da entstehen Punkte.

Du musst Abweichungen nicht sofort „lösen“. Erst mal nur grob einordnen:
leicht abweichend, aber klar subsumierbar → einfacher Gutachtenstil
deutlich abweichend, aber noch Norm-Reichweite → Schwerpunktkandidat
so weit weg, dass du basteln musst → oft falsche Anspruchsgrundlage / Analogie-Frage / Denkfehler
Der dritte Punkt ist wichtig: Wenn du nur noch kreativ werden musst, prüfst du ziemlich wahrscheinlich das Falsche. Dann ist nicht „die Subsumtion schwer“. Dann ist deine Schiene falsch.
Nein: Im Examen baust du keine komplette Normalfall-Klausur. Die Übung ist nicht für den Ernstfall gedacht. Du kalibrierst damit dein Hirn.
Du trainierst dir an, dass beim Lesen automatisch im Hintergrund ein Normalfall mitläuft. Und dann passiert irgendwann das, was du eigentlich „Gefühl“ nennst:
„Moment. So sähe der Normalfall nicht aus.“
Das kommt nicht aus dem Bauch. Das ist ein routinierter Vergleich.
Es gibt keine magische Liste, die dir zuverlässig sagt, wo die Schwerpunkte liegen.
Was wirklich was bringt, sind drei Dinge:
dein Blick auf den Text
deine Zuordnung (Mindning-Methode)
dein Abweichungsradar (Normalfall-Schablone)
Wer das kann, braucht kein Mystik-Gelaber über „Problembewusstsein“. Der sieht’s einfach.
Nimm dir morgen 20 Minuten und mach genau das:
Du brauchst kein Talent für Probleme. Du brauchst einen Normalfall, der dir zeigt, wann etwas nicht mehr normal ist.
Willst du das alles nicht nur verstehen, sondern auch tatsächlich umsetzen?
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