JNG #350: 🚻 Keramik-Reset, Kopf wie neu


Ich habe in allen sechs Examensklausuren und so gut wie jeder Probeklausur nach rund zwei Stunden konsequent eine Pause gemacht – bevor ich den ersten Satz geschrieben habe. Stift weg. Papier weg. Gesetze beiseite. Kurz raus.

Ja, das war geplant, nicht „musste halt mal“.

Ich sehe das bei anderen tatsächlich ziemlich selten. Leute springen ohne Cut direkt in die Reinschrift und wundern sich dann, warum die letzten zwei Stunden aussehen wie Autounfall in Zeitlupe.

Dieser Newsletter ist eine Mini-Anleitung dafür, wie du dich in 5 Stunden nicht selbst erledigst.


⏱️ Lesezeit: 4 Minuten
 



Reinschrift ist Geld

Die Reinschrift ist das einzige, was am Ende bewertet wird. Niemand schaut sich deine Lösungsskizze an. Hate to break it to you. Wenn du dir die Konzentration dafür schon in den ersten zwei Stunden komplett wegfräst, sieht das von außen zwar super beeindruckend aus, aber ist halt unklug.
 

Vorbereitung ist kein Luxus

Mindning-Tabelle erstellen, mit Bullseye-Methode Normen nachschärfen, Ja-/Nein-Rechtsfragen formulieren, Lösungsskizze bauen, Argumenteschmierzettel schreiben: Das sieht nicht nur hübsch aus. Das ist dein Airbag. In einer 5-Stunden-Klausur sind 40 % Vorbereitungszeit ein brauchbarer Richtwert. Damit bleiben dir volle drei Stunden für eine saubere Niederschrift. Wer nach 60 Minuten losschreibt – alles schon erlebt –, spart nur vermeintlich Zeit und zahlt später den Preis.
 

Der Cut nach 2 Stunden ist Pflicht

Nach ca. 1:50–2:10 Stunden kommt bei vielen der Punkt, an dem der Wille noch da ist, aber der Kopf nicht mehr will. Genau da brauchst du einen Cut. Blick in eine andere Richtung lenken, Körper kurz in einen anderen Zustand bringen. Ohne Reset schleppst du den überschüssigen mentalen Müll deiner Vorbereitung in die Reinschrift.
 

Pause heißt: optisch weg mit der Klausur

Wenn du „Pause“ machst und dabei weiter auf den Sachverhalt glotzt, ist das keine Pause. Das ist einfach nur dumm. Leg alles, was nach Klausur aussieht, aus deinem Sichtfeld. Gesetz zu. Papier zur Seite. Blick auf irgendwas, das nicht Paragrafen hat. Dein Gehirn braucht einen klaren Reizwechsel; sonst bleibt es im Tunnel. Den wollen wir erst später wieder.
 

Iss wie ein normaler Mensch

Du musst kein Drei-Gänge-Menü auspacken. Aber du brauchst Energie. Iss etwas, das nicht das halbe Audimax mit Knistergeräuschen oder Knoblauchfahne terrorisiert: kleines Frühstück, Riegel, Rohkost, Obst, das nicht so klebt, irgendwas Solides. Kauen. Atmen. Kurz rauszoomen. Fünf Minuten essen sind billiger als 60 Minuten Formulierungsstottern.


Geh raus, wenn du festhängst

Wenn die Prüfungsordnung es zulässt: Verlass den Raum. Toilette ist kein Zeichen von Schwäche. Du siehst zwei Minuten lang keine hektischen Schreibmaschinen, sondern einfach nur eine Kachelwand. Man spricht nicht umsonst von der „Erleuchtung auf dem Pott“. Zwei Minuten raus sind immer besser als zehn Minuten am Platz quälen.
 

Trink. Punkt.

Die Idee, in der Klausur möglichst wenig zu trinken, um ja nicht aufs Klo zu müssen? Da fällt mir nichts zu ein. Außer: Dehydriert werden selten gute Examensklausuren geschrieben. Nimm viel Wasser mit. Trink regelmäßig. Geh notfalls zweimal mehr. Keinen Schwanz interessiert es, wie oft du aufstehst. Dein Ziel ist nicht, der stillste Prüfling zu sein. Dein Ziel ist ein brauchbares Gutachten.
 

Wenn du ohne Cut startest, zahlst du später drauf

Ohne Pause gehst du mit zu hoher Spannung in die Reinschrift. Dann werden Sätze länger, Entscheidungen schwammiger, und plötzlich „passt das schon“. Und am Ende sitzt du da, hast fünf Stunden durchgeschrieben und hättest zwischendurch einfach mal entspannen sollen. Ein Cut kostet dich Minuten. Kein Cut kostet dich die Klausur.
 

Mach dir die Pause zur Routine

Das gilt genauso für Probeklausuren. Gerade da. Wenn du es im Training nicht machst, wirst du es im Examen auch nicht machen. Und dann kommt wieder dieses „Ich hatte keine Zeit“. Doch. Du hattest nur keinen Plan. Routine schlägt Willenskraft. Immer.
 

So setzt du das ab der nächsten Klausur um

Mach das jetzt nicht komplizierter, als es ist.

1. Stell dir vor Beginn einen Timer auf 1:50 Stunden als Signal für den Übergang.

2. Nach dem Timer: Stift weg, Gesetz zu, Papier aus dem Sichtfeld.

3. Geh 5–10 Minuten wirklich raus aus dem Klausurfilm: essen, trinken, atmen.

4. Wenn du festhängst: Steh auf und geh kurz zur Toilette oder einmal den Gang entlang.

5. Trink mindestens alle 20–30 Minuten ein paar Schlucke.

6. Schreib dir in Probeklausuren oben aufs Deckblatt: „Cut vor Reinschrift.“, damit du’s in der Hektik nicht vergisst.
 

Du brauchst keinen Hero-Run über fünf Stunden. Du brauchst einen klaren Kopf für drei Stunden saubere Reinschrift.

Und je mehr du in den ersten 40 % der Bearbeitung richtig machst, desto schwieriger wird es, die Reinschrift zu verkacken.

Wenn du das mal live üben willst: Morgen ist der nächste Upside-down-Workshop. 90 Minuten, kein Gelaber. Du lernst, wie du aus Chaos eine Problemübersicht mit den Schwerpunkten des Falls baust, daraus tragfähige Argumente machst und dann gnadenlos priorisierst.

Wenn du heute Abend oder morgen früh Mitglied wirst, bist du direkt dabei.

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