JNG #367: Nur auf dem Papier produktiv.

Bock, deine Examensvorbereitung von mir begleiten zu lassen und in den nächsten Tagen zu starten? Für August habe ich Stand jetzt noch einen letzten freien Platz. Warteliste für danach ist eingerichtet.

Wenn du vorhast, dich mit Fällen vorzubereiten, antworte einfach auf diese E-Mail. Wir schauen dann gemeinsam, ob das was für dich ist.

🕒 Lesezeit: 3 Minuten

Ein voller Lernplan sieht immer erst mal gut aus.

Acht Stunden pro Tag. Für jedes Rechtsgebiet ein Skript. Daneben ein Satz frischer Karteikarten, Wiederholungsblöcke und ein paar „kursbegleitende“ Fälle – für alle Fälle. Pun intended.

Auf dem Papier: krasse Sache.

Frage für die Realität: Was kannst du am Ende deines Lerntags besser als vorher?

Wenn dir dazu nichts oder nur wenig einfällt, war das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich unterirdisch.

Acht Stunden getrackt. Und jetzt?

Lernzeit ist ein bequemer Maßstab.

Problemerkennung, Schwerpunktsetzung und Argumentation sind da schon nerviger. Dafür müsstest du dich an einen unbekannten Fall setzen. Und dann könnte auffallen, dass doch noch nicht alles sitzt.

Unangenehmer Reality-Check.

Also wird weitergelesen, markiert und nochmal gelesen. 

In der Klausur gibt’s aber keine Punkte für Anwesenheit am Schreibtisch.

Punkte gibt es, wenn du dein Wissen flexibel abrufen und auf einen neuen Fall übertragen kannst. Unter Zeitdruck. Ohne dass dir vorher jemand gesagt hat, was wichtig ist.

Vier konzentrierte Stunden können deutlich mehr bringen als acht zähe. In der App deines Vertrauens sieht das natürlich trotzdem nach vier Stunden Minus aus.

Direkt wieder schlechtes Gewissen.

„Schon mal gelesen“ heißt noch lange nicht beherrscht

Lesen ist die Comfort Zone der Examensvorbereitung.

Du erkennst Definitionen wieder. Die Argumentation leuchtet ein. Super, alles kommt dir bekannt vor.

Dein Kopf macht daraus schnell: sitzt.

Dann gehen die Unterlagen zu und der Fall geht auf.

Plötzlich fällt dir eine Definition nicht mehr ein. Die richtige Anspruchsgrundlage lässt auf sich warten. Das Hauptproblem bekommt zwei Sätze, der Nebenkriegsschauplatz eine halbe Seite. Und irgendwie klang die eigene Lösung im Kopf deutlich besser.

Jetzt hast du ehrliches Feedback.

Die Lernpsychologie nennt solche Hürden „wünschenswerte Erschwernisse“. Sperriger Name. Simpler Effekt.

Eigenständiges Denken deckt Lücken auf. Beim Lesen konnten sie sich noch ziemlich gut verstecken.

Der Lern-Loop

Was machst du jetzt stattdessen? Du startest mit einer unbekannten Altklausur.

Erst entwickelst du deine eigene; dann schaust du in die Musterlösung.

Was hast du übersehen? Wo fehlt Wissen? Was hast du falsch gewichtet? Wo war die Argumentation zu dünn?

Erst jetzt arbeitest du genau diese Lücken nach. Und der nächste Fall dient als Kontrollmechanismus: Kannst du das Wissen diesmal abrufen und anwenden?

Das ist ein vollständiger Loop.

Der Fall liefert die Diagnose. Die Theorie bekommt einen konkreten Job. Der nächste Fall zeigt, ob die Nacharbeit etwas gebracht hat.

Der Lehrbuchstapel wird dabei deutlich seltener gebraucht. Win-win.

Kürzerer Plan, dichterer Lerntag

Flatrate-Kandidatin Miriam hat den Unterschied schnell gemerkt.

Ihr alter Lernplan war lang; der neue ist deutlich straffer. Mehr eigene Entscheidungen. Mehr Abruf. Mehr Fehleranalyse. Weniger Autopilot. Weniger Rumeiern.

Entsprechend früh war ihre Konzentration aufgebraucht.

Wann Schluss ist

Fallbearbeitung auf diesem Niveau lässt sich nicht endlos lang machen.

Irgendwann liest du denselben Absatz dreimal. Offensichtliche Probleme gehen unter. Die Musterlösung wird nur noch abgenickt. Für eine eigene Lösung fehlt dir die Energie.

Dann ist jede weitere Stunde ein schlechter Deal.

Du sitzt dir länger den Arsch ab. Der Output verändert sich kaum. Den nächsten Tag beginnst du müder.

Toll.

Merklicher Qualitätsverlust entscheidet darüber, wann du aufhören solltest. Kannst du noch sauber denken, entscheiden und Fehler analysieren? Läuft, weiter so.

Wenn nicht, ist morgen auch noch ein Tag.

Der eigentliche Preis eines vollen Lernplans

Ein tägliches Acht-Stunden-Ziel produziert ziemlich zuverlässig ein schlechtes Gewissen.

Nur sechs Stunden geschafft? Zu wenig.

Fünf Stunden? Loser.

So fühlt sich sogar ein guter Lerntag nach Versagen an. Crazy.

Das hält doch kaum jemand durch. Mit einem nachhaltigen Lernplan bist du hingegen nicht nach vier Monaten im Burnout.

Und die gewonnene Zeit ist größer, als man denkt.

Vier Stunden weniger pro Tag ergeben bei sechs Lerntagen pro Woche über sechs Monate: 

600 Stunden.

Schlaf. Sport. Erholung. Oder einfach ein Leben außerhalb der Bib.

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