JNG #352: 📉 94 % haben nicht mitgeschrieben

 Nicht schreiben ist Angst vor einer Zahl.

Warum dich das jucken sollte: Dein Problem ist nicht Lernen. Dein Problem ist Bewertung.

⏱️ Lesezeit: 3 Minuten

Die Durchfallquote lag bei 43 %. Der Notenschnitt bei 4,3 Punkten.

Letzte Woche war wieder Klausurwerkstatt. Examensklausur aus dem Zivilrecht. Wer will, schreibt mit und bekommt ein Votum. Danach 90 Minuten Besprechung: die Top-3-Fehlentscheidungen, der kürzeste denkbare Lösungsweg und eine Checkliste für die nächste Klausur.

Hohe Teilnehmerzahl. Aber 94 % hatten im Vorfeld gar nicht abgegeben. Und wenn du ehrlich mit dir bist, weißt du, ob du zu diesen 94 % gehört hättest.

Ich will das nicht dramatisieren. Bloßer Realitätsabgleich.

Das ist kein Faulheitsproblem. Es ist Angst vor einem messbaren Ergebnis.

Der Denkfehler

„Ich bin noch nicht so weit. Ich lerne ja gerade noch. Ich schreibe später.“

Die wenigsten sprechen es aus. Auch wenn es vernünftig klingen würde. Letztlich greift hier der natürliche Selbstschutzmechanismus.

Wer nicht schreibt, schützt sein Selbstbild. Aber nur wer schreibt, produziert Daten.

Und Daten erlauben bessere Entscheidungen.

Wenn du diesen Newsletter liest und in den letzten 14 Tagen keine Klausur geschrieben hast, hast du kein Erkenntnisproblem.

Du hast ein Output-Problem. Und wenn du glaubst, mit „einfach schreiben“ sei es getan, verschiebst du das Problem nur.

Der 48-Stunden-Auftrag

Tu dir und mir einen Gefallen.

In den nächsten 48 Stunden:

  1. Schnapp dir eine beliebige Original-Examensklausur.

  2. Stell dir einen Timer auf 5 Stunden.

  3. Schreib sie komplett aus – keine Stichwortwüste.

  4. Beende sie unter echten Prüfungsbedingungen.

  5. Gib sie ab.

Alles andere ist Vermeidung.

Keine weitere Vorbereitung. Kein „erst noch wiederholen“.

Schreiben.

Und wenn du jetzt innerlich verhandelst, weißt du, worum es hier wirklich geht.

… und dann kommt das eigentliche Problem

Nach diesen 5 Stunden weißt du:

  • Wie es sich angefühlt hat

  • Ob du in Zeitnot gekommen bist

  • Ob du zufrieden bist

Du weißt nicht:

  • Ob du die Schwerpunkte richtig gesetzt hast

  • Ob dein Aufbau klausurtaktisch klug war

  • Ob deine Argumentation tragfähig ist

Hier scheitern denn auch die Tapferen, die zumindest durchgezogen haben.

Nicht beim Schreiben. Beim Auswerten.

Ich habe übrigens heimlich selbst mitgeschrieben. Der Sachverhalt war auch für mich neu.

9 Punkte.

Und ich hätte schwören können, dass ich deutlich drüberliege.

Entscheidend war aber nicht die Punktzahl, sondern die Fehlentscheidung, die ich mithilfe des Votums erkannt habe.

Ohne externes Feedback bekommst du nur ein Gefühl.

Gefühle sind keine taugliche Entscheidungsgrundlage.

Der strukturelle Engpass

Darüber nachzudenken hilft. Eine Lerngruppe hilft. Einzelne Korrekturen helfen.

Aber sie zeigen dir noch kein Muster.

Und ohne Muster erkennst du nicht, ob du mit einer gänzlich anderen Zeitallokation vielleicht 2 Punkte mehr geholt hättest.

Der Unterschied

Fortschritt entsteht nicht durch mehr Stoff, sondern durch einen strukturierten Loop:

Fallarbeit → Feedback → Muster → Entscheidungsregel

Erst wenn du aus mehreren Klausuren erkennst, welche Fehlentscheidung sich wiederholt, kannst du dich strategisch ausrichten.

Ohne Feedback-Loop bleibt dein Lernen unvollständig.

Die logische Konsequenz

4,3 Punkte oder durchfallen – scheißegal. Nicht scheißegal ist, dass du dich mit Nicht-Schreiben von vornherein jeder Lernchance beraubst.

Und noch gefährlicher: Schreiben ohne systematische Auswertung.

Wenn du nur schreibst, aber nicht systematisch auswertest, trainierst du auf gut Glück. Wenn du auswertest, aber kein Muster erkennst, optimierst du an Symptomen. Wenn du kein Muster erkennst, triffst du Entscheidungen aus dem Bauch heraus.

Der Unterschied zwischen 4,3 und 6,3 Punkten ist selten Wissen.

Es ist fast immer eine wiederholte Fehlentscheidung, die niemand sichtbar gemacht hat.

Genau deshalb existiert Upside-down. Nicht als Plattform mit Inhalten, sondern als Trainingssystem für bessere Klausurentscheidungen.

Du bekommst keinen Kurs. Du bekommst kein Motivationsprogramm. Du bekommst ein System, das genau diesen Feedback-Loop erzwingt:

Fall → Korrektur → Musteranalyse → Entscheidungsregel → nächster Fall.

Solange dieser Loop nicht steht, ist jede weitere Lernstunde strukturell unsauber.

Die Frage ist also nicht: „Sollte ich mehr lernen?“

Die richtige Frage ist: „Arbeite ich in einem System, das meine Fehlentscheidungen sichtbar macht?“

Wenn die Antwort darauf „nein“ lautet, dann bau dir diesen Loop – oder nutze den, den es schon gibt.

👉 Feedback-Loop starten



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