JNG #375: Vollgas ist kein Lernplan.

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Deine Examensvorbereitung kennt zwei Betriebsmodi: Vollgas und Stillstand.

Bei Vollgas soll ein einziger Tag alles leisten: Fall gliedern, Lösung gegenchecken, offene Themen nacharbeiten und Stoff wiederholen. Fehlen Zeit, Energie, Konzentration oder Bock, fliegt die Maschine direkt auseinander. Vollbremsung. Verzögerungen im Betriebsablauf.

Das sieht erstmal nach einem Motivationsproblem aus. Tatsächlich ist einfach der Maßstab Quatsch.

Je mehr du erledigt bekommst, desto besser war angeblich der Tag. Die Frage, die du dir aber eigentlich stellen solltest: Wie wahrscheinlich ist es, dass du dich morgen wieder dransetzt?

Die Antwort auf diese Frage erklärt zwei ziemlich unspektakuläre Serien aus meinem Alltag.

Seit 2.030 Tagen habe ich jeden Abend in mein Tagebuch geschrieben und seit Mai 2025 220 Work-outs gemacht. Klingt nach ehrgeizigem Selbstoptimierungsbullshit. Ist es aber nicht.

Für das Tagebuch gab es nie eine Seitenvorgabe. Irgendwas aufzuschreiben reicht. Für ein Work-out blieben mir an einem Abend nur noch zehn Minuten – also wurde daraus Stretching. Mit Kopfschmerzen fielen die Burpees aus – dann halt Mobility.

Das Prinzip dahinter: Die jeweilige Einheit darf kleiner werden. Sie darf nur nicht ausfallen.

Für deine Examensvorbereitung heißt das: Leg einen Bereich fest, der zu deiner aktuellen Lebensrealität passt. Unten steht die kleinste Version, die fachlich noch sinnvoll ist. Das können 60 oder 90 Minuten sein. Später kann dieser Wert ganz anders aussehen.

Oben steht ein Pensum, bei dem der nächste Lerntag trotzdem realistisch ist. Mehr Leistung ist kein automatischer Zugewinn, wenn du anschließend ein paar Tage brauchst, um wieder reinzukommen. Merkste selber.

Meine 60-Minuten-Regel, die ich Studierenden gerne an die Hand gebe, macht das Konzept der Untergrenze konkret.

Nimm dir den Sachverhalt einer Originalexamensklausur. Stell einen Timer auf eine Stunde. Lies Satz für Satz und notiere, welche rechtlichen Gedanken dir dabei kommen. Wenn die Zeit abgelaufen ist, darf der Sachverhalt ruhig unfertig bleiben.

Nach diesen 60 Minuten hast du dich mit echtem Examensmaterial auseinandergesetzt. Der Tag wurde damit zu einer brauchbaren Einheit, obwohl für deinen idealen „Ich lerne 8 Stunden durch. Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.“-Tag kein Raum war.

Und das ist der Maßstab, an dem du dich orientieren solltest.

Die schwächeren Tage geben vor, wie klein deine Examensvorbereitung sein darf. Die starken Tage zeigen lediglich, was möglich ist. Examensreife entsteht immer aus vielen wiederholbaren Einheiten.

Einzelne Vollgas-Tage sind natürlich impressive. Stabilität ist dagegen weniger spektakulär. Sie funktioniert aber auch morgen noch.

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